Blog Journalisten

Schreibblockade – Ursachen und Lösungen

Foto: MediaNews.Blog
Foto: MediaNews.Blog

Schreibblockade. Ein psychisches Phänomen, das alle kennen, die viel schreiben. Irgendwann trifft es alle – Autoren, Journalisten, Wissenschaftler, Texter.

Heute gehts weiter. Und nichts passiert. Am Tag danach bin ich noch immer wie vernagelt. Am nächsten und übernächsten Tag das Gleiche. Schreibblockade. Ein psychisches Phänomen, das alle kennen, die viel schreiben. Irgendwann trifft es alle – Autoren, Journalisten, Wissenschaftler, Texter.

Die Kopfschreiber, die täglich schreiben, häufiger als andere. Journalisten insbesondere, weil sie dokumentieren, recherchieren, schreiben – und das meist zu den unterschiedlichsten Themen. Da ist der Kopf voll von Informationen, Gestaltungsideen, Terminzwängen. 

Bei den Betroffenen geht es oft nur um den Einstieg, den Anfang. Wenn der geschafft ist, fällt das Schreiben wieder leicht. Die Schreibblockade löst sich auf. Es fließt geradezu, so als hätten sich alle kreativen Gedanken in einem Trichter gesammelt, der sie wieder frei gibt. Der Trichter öffnet sich plötzlich und aus den Gedanken werden Sätze, Geschichten, Artikel – was auch immer. Wer das Phänomen zum ersten Mal erlebt, wird später berichten, dass es anschließend lange gut ging. Aber die Intervalle zwischen gut und schlecht werden immer kürzer. Wenn aus der anfänglichen Schreibhemmung eine Schreibblockade auftritt, ist das bei routinierten Schreibern eine ernste Sache. Die Ursachen sind unterschiedlich. Ängste, Sorgen, Depressionen. Wenn aus der Angst, nicht erfolgreich schreiben zu können, eine Depression wird oder private Sorgen die Kreativität ausbremsen, kann das Problem rasch neurologische Züge annehmen. Der Weg zum Facharzt ist in solchen Situationen unvermeidlich.

Schreibblockaden werden durch inneren und äußeren Druck ausgelöst. Der Verleger drängt, lässt seine Lektorin von der Leine, die Redaktion setzt für die letztmögliche Abgabe eine Deadline, die Anrufe häufen sich und werden auf dem Höhepunkt der Qualen erst gar nicht mehr entgegen genommen. Was des einen Leid ist, wird zum Stoff für den nächsten Unterhaltungsfilm. Siehe Stephen King und andere. Die Liste derer, die dem Phänomen der Schreibblockade zu Weltruhm verhalfen ist lang. Darauf finden sich Namen wie Ernest Hemingway, Franz Kafka, Knut Hamsun, Marcel Proust, Robert Musil, Robert Walser und die vieler anderer. Schreibblockaden werden und wurden in Romanen und Spielfilmen thematisiert. Die Betroffenen verhalten sich unterschiedlich, um deren Auftreten zu vermeiden oder in den Griff zu bekommen.

Bekannte Vermeidungsstrategien sind Sammeln, Sortieren, Aufräumen. Die Wiederaufnahme der Recherche kann eine leichte Blockade lösen: ein Ortswechsel, der Spaziergang, die Bergwanderung, der Gang ins Museum, eine Städtereise am Wochenende, ein Segeltörn, Schiffsreise, viel Schlaf und so weiter. In vielen Fällen reicht es schon aus, den Schreibtisch aufzuräumen, aus der Unübersichtlichkeit wieder eine Übersicht schaffen.

Jeder hat einmal seinen schlechten Tag. Ab wann spricht man von einer Schreibblockade? Dazu sagt Ulrike Lange (Schreibzentrum der Uni Bochum) : „Von einer Schreibblockade würde ich sprechen, wenn es mit dem Schreiben über lange Zeit überhaupt nicht klappt und eine Person sehr darunter leidet. Davon abgesehen gibt es auch Zeiten im Schreibprozess, in denen man nicht vorankommt, die aber zum Prozess dazu gehören. Das sind Phasen, in denen man sich etwas Neues zurechtlegen muss oder vor dem nächsten gedanklichen Schub steht. Weit verbreitet ist natürlich auch das klassische Aufschieben“. Quelle: Zeit Online, Meike Fries, In harten Arbeitsphasen die Freizeit planen, 11.08.2011.

Es gibt eine Reihe technischer Tipps, Schreibblockaden wieder zu überwinden. Stichwortzettel anlegen, Korrekturen verschieben, Fakten dimensionieren, ein Storybook schreiben und anderes. Manchem hilft es auch, mit anderen über die Schreibblockade zu reden oder sich vor äußeren Störfaktoren zu schützen. Wer kann, wechselt den Schreibtisch, den PC oder Laptop oder beschäftigt sich im Homeworkshop mit dem Erlernen irgendwelcher Programme. Das lenkt ab. Auf gar keinen Fall sollte man über die eigene Schreibblockade nachdenken, ins Grübeln geraten. Wenn man kann. Vermutlich haben alle ihre individuellen Methoden entwickelt, um Blockaden im Kopf zu lösen.

Die Trainerin und Autorin Heike Thormann (KreativesDenken.com), empfiehlt u.a. „Schreiben Sie über ihre Blockade. Lassen Sie alles raus und jammern Sie ohne Punkt und Komma. Damit haben Sie nicht nur festsitzenden Frust abreagiert, sondern sind auch gleichzeitig – Überraschung – ins Schreiben gekommen. Von hier zum eigentlichen Text ist es dann nur noch ein kleiner Schritt“. Oder in Schüben schreiben, Inhalte vermenschlichen, Lieblingsplätze zum Schreiben aufsuchen und sich auf alle Fälle entspannen.

Inge Seibel, Journalistin und Radiofrau (ingeseibel.de), hat persönliche Methoden entwickelt, um Schreibblockaden in den Griff zu bekommen: Recherchieren, drauflos schreiben, ruhen lassen. „Schreibblockaden entstehen bei mir oft aus Zeitdruck gepaart mit einem selbst auferlegten Perfektionismus. Mein Tipp: Ausführlich recherchieren und dabei das Wesentliche bereits in Stichpunkten skizzieren – einfach „Drauflosschreiben“, manche gute Idee entwickelt sich dann wie von selbst – Text ruhen lassen – Feintunen“.

Tipps, um „Schreibblockaden während der Dissertationsphase“ aufzulösen gibt das „doktorandenforum.de„: „Der wichtigste praktische Tipp, zuletzt im Forum von Nutzerin »mathetussi« angebracht: Erstmal eine Gliederung erstellen und diese dann nach und nach ausfüllen. Damit bleibt die Schwelle für den Einstieg niedrig und der Stress beim Schreiben geringer“.  Und „Das Schreiben längerer Werke vollzieht sich immer in mehreren Schritten: Rohfassung, inhaltliche Überarbeitung sprachliche Überarbeitung. Der Anspruch, alles im ersten Schritt zu erledigen, ist zu hoch“.

Zu „Was sind Schreibblockaden“ schreibt „lerntipp.at„: „“Schreiben ist eine Form der Kreativleistung, weswegen es grundlegend notwendig ist den Kopf im wahrsten Sinne des Wortes „frei“ zu haben. Ist das Thema ausreichend erörtert, oder ein grobes Konzept in Gedanken bestehend, reicht in einigen Fällen schon ein Ortswechsel. Nicht selten kommt es vor dass sich bekannte Wissenschaftler oder Professoren in Ferienwohnungen zurück ziehen um dort in Ruhe und in einer ungewohnten Umgebung arbeiten zu können. Erstellt man einen Plan der ein Ende der Arbeit mit einer genauen Angabe vorsieht, erfolgt die Arbeit oftmals effektiver“.

Ulrike Langer, Medienjournalistin, (Blog: medialdigital.de) meint: „Früher hatte ich oft eine Blockade beim Einstieg. Jetzt schreibe ich am Anfang einfach das, was mir als erstes in den Sinn kommt. Meistens bleibt es dann dabei, weil der erste Gedanke oft der beste ist. Wenn nicht, ergibt sich beim Schreiben halt später ein besserer Einstieg. Das ist ja das Schöne an Schreibprogrammen: Nichts ist in Stein gemeißelt. Und noch etwas: Eine baldige Deadline hilft ungemein beim Lösen von Schreibblockaden…“

Sehr ausführlich mit vielen Tipps (manche haben wir schon zitiert) beschäftigte sich Kerstin Hofmann (kerstin-hoffmann.de) in ihrem Beitrag „Profi-Strategien gegen die Schreibblockade“ (unbedingt lesenswert). „Wie es zu diesem Artikel kam? Ich bin kürzlich, am Rande der Frankfurter Buchmesse, auf einer Veranstaltung gleich mehrfach darauf angesprochen worden, ob ich denn auch manchmal eine Schreibblockade habe und wenn ja, wie ich damit umgehe. Wieder zurück am Schreibtisch kam mir die Idee, doch einfach einmal in meinem Netzwerk herumzufragen, was Profi-Schreiber bei Schreibblockaden tun – und was sie anderen raten, die darunter leiden. Hier sind großartige Tipps und überraschende Einblicke von 26 bekannten Kolleginnen und Kollegen. Ganz am Schluss noch mein eigenes Statement“.

Leseempfehlung zum Thema:
Warum Journalisten ausbrennen… -Eine aktuelle Studie zeigt die Ursachen von Burnout im Medienbereich auf, von Annelen Geuking, Journalistik-Journal, 19.04.2013

Der Autor

Redaktion MediaNews.Blog

Redaktion MediaNewsBlog.de. Bitte achten Sie bei Beiträgen abweichender Quellen auf die entsprechenden Quellen-Angaben und weiterführenden Links.

Wir schätzen Ihre Meinung...