Irene Neverla eröffnete die Ringvorlesung der Uni Hamburg mit dem Vortrag „Lügenpresse – eine Provokation.

Am Montag, dem 24. Oktober 2016 begrüßte sie Giovanni di Lorenzo, Chefredakteur „Die Zeit“ mit dem Vortag „Nur Mut! Selbstbewusst und selbstkritisch gegen Propaganda und Verschwörungstheorie“.

Einzelne Vorträge werden mit Lecture2Go aufgezeichnet und stehen im Videokatalog zur Verfügung.

Unter dem Titel „Lügenpresse – Medienkritik als politischer Breitensport“ findet bis Anfang kommenden Jahres eine Ringvorlesung statt, die von Prof. Irene Neverla und ihrem Kollegen im Institut für Journalistik und Kommunikationswissenschaft an der Uni Hamburg, Prof. Volker Lilienthal, organisiert wird. Der Kampfbegriff „Lügenpresse“ markiert seit einigen Jahren das Extrem eines Vertrauensverlusts, dem der Journalismus in Deutschland schleichend schon länger unterliegt.

Den Medien wird von vielen nicht mehr zugetraut, die Bürger wahrheitsgetreu zu informieren. Sie stehen in Verdacht, heikle Informationen, z.B. über Moslems und Flüchtlinge, zu unterschlagen. Den Journalisten wird unterstellt, willfährige Sprachrohre der Regierenden zu sein. Manipulation und politische Kampagne sind weitere Reizworte. Solche Urteile treffen insbesondere den öffentlich-rechtlichen Rundfunk, aber auch die privatwirtschaftliche Presse.

Der „Lügenpresse”-Diskurs wird vor allem im Netz geführt, er findet sich in Blogs und als affektgesteuerter Leserkommentar unter missliebigen Artikeln. Medienkritik hat sich zu einem politischen Breitensport entwickelt – was aber nicht bedeutet, dass es sportlich zuginge: Journalisten werden teils rabiat beschimpft und häufig sogar bedroht. Die Metapher von der Lügenpresse jedenfalls irritiert und provoziert, fordert heraus zu Klarstellungen über das Mediensystem und den Journalismus ebenso wie zu Reflexionen über die gesellschaftlichen Hintergründe solcher Radikalisierungen in Richtung eines dissozialen Diskurses und einer „incivility“.

In der Ringvorlesung der Uni Hamburg kommen sowohl Medienpraktiker wie Wissenschaftler zu Wort. Hochkarätige Journalisten werden zu hören sein, wie etwa Heribert Prantl (Süddeutsche Zeitung), Jakob Augstein Herausgeber ‚der Freitag‘, Dr. Kai Gniffke, Erster Chefredakteur ‚ARD Aktuell‘, oder Klaus Brinkbäumer, Chefredakteur ‚Der Spiegel‘.

Quelle: Lügenpresse“ und Verschwörungstheorien, Kritische Perspektiven aus der Forschung, SWR 2, Kulturgespräch, am 24.10.2016 mit Prof. Volker Lilienthal.

Weitere Informationen und das Programm.

Bernhard Hauff

Medienjournalist, München, eMail: bernhard.hauff[at]media-news-blog.de

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