Alle waren ebenso bekannte wie erfahrene Journalistinnen und Journalisten. Bei der ARD, dem ZDF oder bei renommierten Zeitungsverlagen zuständig für den politischen Journalismus. Heute arbeiten sie auf der anderen Seite.

Regierung und Parlament akquirieren ihre Sprecher oft aus Verlagen und Sendern. Daniel Bouhs und Saskia Leidinger berichten im NDR-Medienmagazin ZAPP über „Seitenwechsler – Journalisten als Pressesprecher.“ 

Der zurzeit in der öffentlichen Wahrnehmung sicherlich prominenteste „Seitenwechsler“ ist Steffen Seibert. Er war Frontmann des ZDF-„heute-journals“ und wurde Regierungssprecher. Seine Stellvertreterin Ulrike Demmer lotste Seibert im vergangenen Jahr wiederum aus dem Hauptstadtstudio des Redaktionsnetzwerks Deutschland (Verlagsgruppe Madsack) in das Bundespresseamt.

Regierung und Parlament akquirieren ihre Sprecher oft aus Verlagen und Sendern.

Der frühere ZDF-Journalist Steffen Seibert verantwortet das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung, übt sein Amt als Regierungssprecher im Rang eines beamteten Staatssekretärs aus. Seibert begann im Jahr 1989 sein Volontariat beim Zweiten Deutschen Fernsehen und war dort in den unterschiedlichsten Funktionen tätig. Seit Sommer 2010 stellt der Journalist keine Fragen mehr im „heute-journal“, sondern antwortet auf die Fragen seiner früheren Kolleginnen und Kollegen in der Bundespressekonferenz. Im Namen der Bundeskanzlerin.

Korrespondentin Annekarin Lammers wechselte vom Hessischen Rundfunk im ARD-Hauptstadtstudio in die Kommunikationsspitze der Bundesagentur für Arbeit. Anna Engelke, die Leiterin des NDR-Hörfunkstudios im Haupstadtstudio der ARD, arbeitet aktuell für den künftigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier.

Und immer wieder gibt es auch jene, die ihren Weg zurückfinden. Beispielsweise Sabine Adler. Die Journalistin war im Spitzenteam der Pressestelle des Deutschen Bundestages und ist vor mehr als fünf Jahren wieder an ihren alten Arbeitsplatz beim Deutschlandradio zurückgekehrt.

Beim Thema „Seitenwechsler“ kann Sabine Adler mitreden wie kaum eine andere. Im Herbst 2011 wechselte sie vom Deutschlandradio an die Spitze der Pressestelle des Deutschen Bundestags. Nicht mal ein Jahr später war sie allerdings schon wieder zurück. Im Rückblick spricht sie von einer „ziemlich teuer erkauften Erfahrung“ für eine zentrale Erkenntnis: Das politische Geschehen nicht mehr mit der eigenen Stimme kommentieren zu können und stattdessen für und damit stets auch im Sinne einer bestimmten Institution zu sprechen, das sei so „als würde man wirklich mundtot gemacht“. Diese Nebenwirkung habe sie unterschätzt.

Kollegen, die mit einem Seitenwechsel liebäugeln, rät Adler deshalb auch: „Die wichtigste Frage ist die der Rückkehr: Was kann man danach machen? Denn in aller Regel sind diese Jobs zeitlich befristet.“ Außerdem müsse sich jeder sicher sein, dass man seine eigene Stimme und Haltung zurückstellen müsse. „Man büßt doch ein hohes Maß an Freiheit ein, weil man sich eben in den Dienst einer solchen Person stellt“, sagt Adler in fast schon bemerkenswerter Offenheit. Und: „Ich habe für mich herausgefunden: Mir fehlt dieses dienende Gen. Ich habe das nicht.“

Als Steffen Seibert in den Politikbetrieb wechselte, war die Aufregung groß: Das ZDF hatte ihm ein Rückkehrrecht eingeräumt. Auf Nachfrage von ZAPP erklärt ein Sprecher des Senders allerdings: Seibert könne zwar zurückkommen, aber nicht mehr als Journalist arbeiten.

Auch der Hessische Rundfunk (hr) hat seiner früheren Korrespondentin Annekarin Lammers zugesichert, dass sie ihren Wechsel während der Probezeit bei der Arbeitsagentur rückgängig machen kann.

Der NDR hat der künftigen Bundespräsidenten-Sprecherin ebenfalls ein Rückkehrrecht zugestanden: Engelke, die zwischenzeitlich auch für die ARD sprach, ist für ihren voraussichtlich fünfjährigen Ausflug ins Schloss Bellevue beurlaubt.

Quelle: ZAPP Das Medienmagazin, Seitenwechsler: Journalisten als Pressesprecher, 22.02.2017, 23:20 Uhr, Autor/in: Daniel Bouhs, NDR/ZAPP

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