Die Geschichte einer Zeitungs-Ente – „Bild“-Kniefall nach Sex-Mob-Lüge

Foto: NDR/ZAPP
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Gastronom unter Verdacht – Entschuldigung von „Bild“: Die „Bild“-Zeitung hatte von einem „Sex-Mob“ auf der Frankfurter Freßgass berichtet, den es gar nicht gab.

Das Boulevardblatt entschuldigt sich ausdrücklich für die nicht wahrheitsgemäße Berichterstattung. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Zeugen. Das berichtet unter anderem die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Das NDR-Medienmagazin ZAPP bringt Licht ins Dunkel.

ZAPP zum Hintergrund: Sexmob in „Bild“: Die Entstehung einer Ente

Er ist Frankfurter US-Bürger, politisch engagiert und Trump-Fan. Und er hat offenbar gute Kontakte zur „Bild“: Kerry Reddington. Schon vor der US-Wahl inszenierte er sich als Republikaner, der „gut drauf“ ist. Jetzt verhalf er dem Frankfurter „Bild“-Büro offenbar zu einem Artikel, der Präsident Trump sicher gut gefallen würde, um seine ausländerfeindliche Politik zu rechtfertigen: In der Silvesternacht, so lautet die Geschichte, die der Szene-Gastronom Jan Mai – nach eigener Aussage auf Vermittlung von Reddington – der „Bild“ erzählte, sei es in der Freßgass zu Übergriffen und Diebstählen durch Nordafrikaner und Flüchtlinge gekommen. In seiner Bar „First In“ hätten sie randaliert.

Das Frankfurter Büro der „Bild“ veröffentlichte die Story mit der Schlagzeile „Sex-Mob tobte in der Freßgass“ – 37 Tage nach Silvester. Andere Frankfurter Journalisten hatten Zweifel daran. Die Polizei meldete eine Woche später: Keine Anzeichen für sexuelle Übergriffe in der Freßgass in der Silvesternacht. Inzwischen musste sich der „Bild“-Chef in Berlin, Julian Reichelt, für die Falschmeldung im Frankfurt-Teil entschuldigen.

„Wir wollten uns für die ‚Sex-Mob‘-Geschichte entschuldigen, noch ehe sie ein Medienthema wurde. Gelungen ist uns das im Frankfurt-Fall nicht, wir waren hinter der Konkurrenz“, sagt Reichelt in einem Interview mit dem Tagesspiegel.

Kerry Reddington hat Anfang Februar aber offenbar nicht nur seine Kontakte zur „Bild“-Zeitung spielen lassen, sondern sich auch ansonsten politisch betätigt, indem er den AfD-Politiker Rainer Rahn anrief. „Er hat Informationen oder er kennt die handelnden Personen und hätte Information, dass das, was in der ‚Bild‘-Zeitung steht, auch zutreffend sei“, so der Politiker. mehr…

Weitere Weblinks zum  Thema:

Kaspar Koller

Redakteur/Autor, eMail: kaspar.koller[at]media-news-blog.de

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