Pressekodex zum Minderheitenschutz geändert – „Eine Zwickmühle für Journalisten“

Der Deutsche Presserat hat nun doch den Pressekodex zum Minderheitenschutz geändert. Im März 2016 hatte das Gremium einen solchen Schritt noch abgelehnt.

Für das NDR-Medienmagazin ZAPP berichten zum Thema Kira Gantner & Sabine Schaper.

Ein Syrer greift zum Messer. Ein junger Tunesier randaliert. Bei Kriminalfällen nennen Medien im öfter die Herkunft eines Täters. Doch wann ist es für den Fall überhaupt relevant? Zum Beispiel bei einer Beziehungstat? Die Ziffer 12.1. des Pressekodex. Die Herkunft steht in keinem „begründbaren Sachbezug“ zur Tat. Stattdessen führt die Nennung möglicherweise zu einer Diskriminierung einer ganzen Gruppe durch die Tat eines einzelnen.

Doch der „begründbare Sachbezug“ stand seit den Vorfällen in der Kölner Silvesternacht stark in der Kritik. Damals, einen Tag nach den Vorfällen, entzündete sich ein heftiger Streit um die Frage, ob man die Herkunft der jungen Männer am Kölner Hauptbahnhof nennen solle oder nicht. Diskriminierte man durch die Nennung junge nordafrikanische Männer? Oder führte die Nicht-Nennung zu sinkender Glaubwürdigkeit der Medien, weil sie sich dem Vorwurf stellen müssten, sie verschwiegen etwas? Eine Zwickmühle für die Journalisten.

Nachdem der Presserat im März vergangenen Jahres noch entschieden hatte, den Passus dennoch beizubehalten, hat er die Ziffer nun geändert. Grundsätzlich soll die Herkunft nicht genannt werden.

Nur, wenn es ein „begründetes öffentliches Interesse“ gibt, dann sei eine Nennung statthaft. Der „Sachbezug“ sei, so Manfred Protze vom Presserat, sehr kreativ ausgelegt und gleichzeitig von vielen Kollegen als sehr sperrig empfunden worden. „Das öffentliche Interesse, davon gehen wir aus, ist allen geläufig, nämlich als Interesse, das durch das Gemeinwohl bestimmt wird und dem die Presse und die Medien ohnehin verpflichtet sind.“ [mehr]

Video-Quelle: Pressekodex zum Minderheitenschutz geändert, NDR/ZAPP, Autor/in: Kira Gantner & Sabine Schaper, vom 29.03.2017

Hintergrund:

Der Deutsche Presserat hat die eigenständige Verantwortung der Medien beim Diskriminierungsschutz bekräftigt. Das Plenum des Presserats beschloss am 22. März 2017 eine entsprechende Neufassung der Regeln für die Kriminalitätsberichterstattung.

Demnach hat die Presse darauf zu achten, dass die Berichterstattung über das Fehlverhalten einzelner nicht diskriminierende Verallgemeinerungen fördert. Den Redaktionen obliegt die Pflicht, stets sorgfältig zu prüfen, ob die Erwähnung der Herkunft von Straftätern durch ein öffentliches Interesse gerechtfertigt ist.

Neue Richtlinie 12.1 – Berichterstattung über Straftaten
In der Berichterstattung über Straftaten ist darauf zu achten, dass die Erwähnung der Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu ethnischen, religiösen oder anderen Minderheiten nicht zu einer diskriminierenden Verallgemeinerung individuellen Fehlverhaltens führt. Die Zugehörigkeit soll in der Regel nicht erwähnt werden, es sei denn, es besteht ein begründetes öffentliches Interesse. Besonders ist zu beachten, dass die Erwähnung Vorurteile gegenüber Minderheiten schüren könnte. Quelle: Deutscher Presserat

Bernhard Hauff

Medienjournalist, München, eMail: bernhard.hauff[at]media-news-blog.de

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