Medienprojekt „Quo Vadis Veritas“ – Dietrich Mateschitz auf Wahrheitssuche

Foto: MediaNewsBlog.de
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Dietrich Mateschitz will seinen medialen Einfluss erweitern: Im Rahmen eines Interviews mit der im österreichischen Graz erscheinenden "Kleinen Zeitung" wirbt er für sein neues Medienprojekt, das von einer gemeinnützigen Privatstiftung betrieben werden soll.

Die Stiftung firmiert unter dem Namen „Quo Vadis Veritas“ (Wo gehst du hin, Wahrheit?“). Zitat Mateschitz: „Es scheint schon so, dass sich niemand mehr die Wahrheit zu sagen traut, auch wenn jeder weiß, dass es die Wahrheit ist.“

Wahrheit verspricht nun Mateschitz‘ Medienprojekt. „Näher an die Wahrheit“ soll es Nutzer bringen. Weil er die übrige Berichterstattung „einseitig und unvollständig“ findet.

Quo Vadis Veritas“ nennt er seine mit Red Bull gegründete Stiftung dafür (s.u.).

Dietrich Mateschitz erkläre das Ziel des Projekt so, hieß es bei Red Bull: „Dem Vertrauensverlust in Institutionen, Politik und Medien entgegenwirken, der nicht zuletzt auf einseitige und wegen Ressourcenmangel unvollständige Berichterstattung durch die ‚vierte Säule im Staat‘ zurückzuführen ist. Medienkonsumenten solle „eine zusätzliche Möglichkeit geboten werden, näher an die Wahrheit heranzukommen, indem Informationen geliefert, aber keine Meinungen ausgebreitet werden.“

Mateschitz beschreibt sich als „Humanist, Kosmopolit, Pazifist und Individualist. Und ich bin jemand, der sich grundsätzlich jedem Meinungsdiktat widersetzt. Egal woher es kommt. Auch wenn man sich damit sofort in alle Richtungen verdächtig macht: In Amerika wird man als Kommunist abgestempelt, in Europa als Verschwörungstheoretiker oder Rechtspopulist.“

Das neue Medienprojekt wird eine „multimediale, öffentlich zugängliche Rechercheplattform“, schreibt die „Kleine Zeitung“. (Mateschitz-Abrechnung mit Österreichs Asylpolitik, 08.04.2017). Für den journalistischen Aufbau sei seit 1. April Michael Fleischhacker (früher „Die Presse„, nzz.at) zuständig. Fleischhacker attestiert dem Medien-Mäzen „Qualitätsbewusstsein und Qualitätsfanatismus“.

Mit an Bord ist der ehemalige Mediensprecher und Nationalratsabgeordnete Niko Alm der liberalen Partei „NEOS“ und Rainer Fleckl, früher beim österreichischen Boulevardblatt „Kurier“, „Servus TV“ und jüngst bei „News“.

Expertin für Social Media und Kommunikation soll Judith Denkmayr werden (zuvor bei „Vice“, engagierte sich bislang u.a. auch als Politik-Beraterin für Digitale Entwicklung).

Mateschitz nutzt das Interview für Selbstdarstellung und einer Abrechnung mit dem politischen Establishment. So wetterte er u. a. gegen das „Meinungsdiktat des politisch Korrekten“ (z.B.: „Russland ist ein Schurkenstaat“), erregte sich über „die Politik, die sich in politischer Correctness ergeht, und eine selbst ernannte sogenannte intellektuelle Elite“. In diesem Zusammenhang kritisierte er die Regierenden in Europa für die „Nichtbewältigung der Flüchtlingswelle, oder besser gesagt, der Auswanderungswelle“.

Noch härter verurteilte Mateschitz die Asylpolitik seines eigenen Landes Österreich. „Keiner, der ‚Willkommen‘ oder ‚Wir schaffen das‘ gerufen hat, hat sein Gästezimmer frei gemacht, in dem fünf Auswanderer wohnen können.“ Laut dem 72-Jährigen hätte man die Grenzen schließen und schärfer kontrollieren müssen. Lobende Worte findet der 72-jährige Unternehmer dagegen für US-Präsident Donald Trump, Russland und für Österreichs Außenminister Sebastian Kurz.

Der Staat wolle den “unmündigen, kritiklosen und verängstigten Bürger”, schimpftMateschitz.  Die Medien, so liest es sich zwischen den Zeilen in dem Interview, unterstützten den Staat bei dieser Mission. Die Journalisten der “Kleinen Zeitung” fühlten sich in ihrem Interview an die Rede eines “Wutbürgers” erinnert.

Den Wutbürger weist Mateschitz (72) zurück: „Ich rede über Fakten, und ich rede über Scheinheiligkeiten.“

O-Ton Dietrich Mateschitz (Kleine Zeitung): „Sie manipulieren, reglementieren, überwachen, kontrollieren. Und der gläserne Mensch ist genauso ein Albtraum wie die Meinungsdiktatur. Jetzt will man auch noch das Bargeld abschaffen.“

„In Österreich kursiert schon der alternative Name “Bullbart” für das Nachrichtenprojekt des Milliardärs“, schreibt Benjamin Reuter in der Huffington Post. „In Anlehnung an die rechte Hetzseite “Breitbart News”, die mit ihrer Berichterstattung zum Wahlsieg von US-Präsident Donald Trump beigetragen hatte.“ (The Huffington Post, Red-Bull-Chef Mateschitz will Wutbürgern Flügel verleihen – und plant eigene Nachrichtenseite, 11.04.2017)

Immer mehr Superreiche investieren in Rechercheprojekte „zur Wahrheitsfindung“. Ebay-Gründer Pierre Omidyar: 100 Millionen Dollar gegen Fake News. Die Stiftung „Open Society Foundation“ von Milliardär George Soros spendet über 100.000 Euro an das deutsche Recherchebüro Correctiv, meldet der Branchendienst „Turi2“.

Der Bedarf an seriösen Nachrichten ist spätestens seit Trump größer geworden“, sagt der emeritierte Leiter des Fachbereichs Journalistik an der Uni Salzburg, Roman Hummel in einem Gespräch mit den Salzburger Nachrichten. Es gebe auch Karikaturen, so Hummel, die Trump den Satz »I will make Journalism great again« in den Mund legten. „Quo Vadis Veritas“ könne aber ebenso als Kritik an „Servus TV“ gesehen werden. Schließlich hätte Mateschitz auch die Redaktion des Senders durch den Zuschuss investigativer ausrichten können (Salzburger Nachrichten, Milliardäre sagen Fake News den Kampf an, 13.04.2017).

Zu konkreten inhaltlichen Details, beispielsweise welche Themen bei „Quo Vadis Veritas“ künftig relevant sein sollen, geben die Verantwortlichen zurzeit noch keine Auskunft: das Projekt befände sich noch „in der Konzeptionsphase“ heißt es.

Quo Vadis Veritas:

  • Die Stiftung Stifter von Quo Vadis sind laut Firmenbuch Dietrich Mateschitz und die Servus Medien GmbH, die früher unter den Namen Red Bull Media House TV GmbH und Red Bull TV GmbH firmierte. Sie gehört dem Red Bull Media House, 100-Prozent-Tochter von Red Bull.
  • Die Stiftung hat ihren Sitz in Elsbethen-Glasenbach (Salzburg) und wurde erst am 16. März 2017 eingetragen. Vorsitzender des Stiftungsvorstands ist Red-Bull-Gründer Mateschitz, zudem im Vorstand seine Red-Bull-Manager Volker Viechtbauer und Walter Bachinger.

Laut Forbes wird das Vermögen von Dietrich Mateschitz auf 12,91 Milliarden US-Dollar geschätzt. Mateschitz ist Absolvent der Hochschule für Welthandel in Wien. Danach war er unter anderem als Handelsvertreter für Jacobs Kaffee und den Zahnpastahersteller Blendax im Marketing tätig. 1984 gründete er zusammen mit seinen thailändischen Partnern Chaleo und Chalerm Yoovidhya die Red Bull GmbH. Red Bull ist die bekannteste österreichische Weltmarke (Quelle: Wikipedia).

Knut Kuckel

Journalist (Radiojournalismus). Berufliche Stationen: Belgischer Rundfunk (BRF), Südwestrundfunk, SWR, Hessischer Rundfunk (hr).
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