Gestern startete die Kampagne. Einen Tag später hatten die Initiatoren bereits 1,9 Millionen Schweizer Franken (etwa 1,8 Millionen Euro) eingesammelt. Ihr Medienprojekt könnte somit Anfang 2018 starten.

„Ohne Journalismus keine Demokratie“, sagen die Macher des ehrgeizigen Projektes, Christof Moser und Constantin Seibt, zwei der profiliertesten Journalisten der Schweiz. 

„Die Republik ist eine kleine Rebellion“, heißt es im Crowdfunding-Aufruf des neuen Schweizer Digital-Magazins „Republik“.

Mehr als 7000 Menschen haben bis zum Nachmittag ein kurzes Video angeschaut, in dem die Journalisten vor Rechtspopulisten und langweiligen Medienhäusern warnen. Dies und sicherlich auch der gute Ruf von Moser und Seibt hat inzwischen viele Unterstützer motiviert, dem Start-Up Geld zu spenden.

„Heute morgen wachte ich als freier Mann auf. Und jetzt um 15 Uhr habe ich 3000 Verleger. Willkommen an Bord!“, schreibt Constantin Seibt bei Twitter.

Wer 240 Franken bezahlt, erhält ein Jahresabonnement und ist gleichzeitig Mitglied der Genossenschaft. Pro Tag werden drei Texte publiziert, die dann auch mit Freunden geteilt werden können. Die Investoren hatten ihre Summe von 3,5 Millionen Franken an die Bedingung geknüpft, dass sich mindestens 3000 Abonnenten anmelden. Dieses Ziel ist nun erreicht. Insgesamt ergibt sich so ein Startkapital von rund 4,2 Millionen Franken.

Das Medienprojekt «Republik»  soll ein unabhängiges, digitales Magazin werden, das sich auf die Einordnung von Informationen konzentrieren will. Es soll leserfinanziert und ohne Werbeeinnahmen funktionieren.

Jacqueline Badran macht ein Foto von Patrick Frey, Daniel Meili, Viktor Giacobbo, Constantin Seibt beim Start des Republik Crowdfunding im Hotel Rothaus. Im Hintergrund Oliver Claasen. Foto Jan Bolomey für republik.ch
Jacqueline Badran macht ein Foto von Patrick Frey, Daniel Meili, Viktor Giacobbo, Constantin Seibt beim Start des Republik Crowdfunding im Hotel Rothaus. Im Hintergrund Oliver Claasen. Foto Jan Bolomey für republik.ch

Die Crew besteht neben Constantin Seibt und Christof Moser zurzeit aus fast einem Dutzend Journalistinnen und Journalisten. Hinzu kommen Start-up-, Kommunikations-, Organisations- und IT-Spezialistinnen.

Die Akteure, die hinter „Republik“ stehen, haben ihre Vorbilder im In- und Ausland: die deutschen Krautreporter, De Correspondent aus den Niederlanden, das Basler Projekt Die Tageswoche. Sie wollen „hart rechercherieren, ohne Scheu vor den Mächtigen“. Und die schreiben, sagt Constantin Seibt, „für Leser, die nach jedem Satz wissen wollen, wie es weitergeht. Mindestens einmal im Monat sollten die Leser ins Herz getroffen werden.“

„Die Project R Genossenschaft nimmt sich der Weiterentwicklung und Stärkung des Journalismus an“, ist auf der Website zu lesen. „Dazu gehören Projekte wie der Bau einer digitalen Open-Source-Infrastruktur, das Durchführen von Veranstaltungen und Debatten, das Entwickeln neuer journalistischer Formate sowie die Ausbildung von jungen Journalistinnen und Journalisten.“

Stefan Winterbauer kommentiert in Meedia: „Es gibt eine Sehnsucht nach gutem Journalismus da draußen und nicht eben eben wenige Leute sind bereit, für das Versprechen, das diese Sehnsucht erfüllt wird, eine erkleckliche Menge Geld auf den Tisch zu legen. Das ist eine Erkenntnis, die alle Medienmacher in jedem Land brennend interessieren sollte.“

Vom 26. April bis am 31. Mai läuft das Crowdfunding für das digitale Magazin «Republik» von Project R.

Auf www.republik.ch finden Sie alle Informationen zum Mitmachen.

Beitragsbild: Über 200 Leute stehen um 7 Uhr morgens vor dem Hotel Rothaus an, um zu den Ersten zu gehören, die eine Republik Mitgliedschaft lösen. Foto Jan Bolomey für republik.ch

Knut Kuckel

Journalist (Radiojournalismus). Berufliche Stationen: Belgischer Rundfunk (BRF), Südwestrundfunk, SWR, Hessischer Rundfunk (hr).
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