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„Wem gehört der Rundfunk?“ – Symposium der Historischen Kommission der ARD

Foto: Phoenix
Foto: Phoenix

Mit einem leidenschaftlichen Plädoyer für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist am 5. Mai in Leipzig das zweitätige Symposium der Historischen Kommission der ARD zu Ende gegangen. „Vielfalt und Qualität sind die DNA des öffentlich-rechtlichen Rundfunks“, sagte die ARD-Vorsitzende und MDR-Intendantin Karola Wille.

„Die Herausforderung liegt darin, wie wir in der digitalen Welt die Teilöffentlichkeiten zusammführen und den gesellschaftlichen Austausch von Meinungen organisieren. 

Deshalb brauchen wir auch im Netz eigene, publizistisch starke Plattformen, die vernetzen und Partizipation und eine lebendige Öffentlichkeit ermöglichen.“ Dies seien die „Grundfragen unserer Gesellschaft und der gesellschaftlichen Verständigung“, so Wille: „Es geht um die Frage, wie in Zukunft Demokratie in unserem Land funktioniert.“

Auf Einladung der Historischen Kommission hatte ein hochkarätig besetztes Podium unter dem Titel „Wem gehört der Rundfunk“ über politischen Einfluss, gesellschaftliche Partizipation und die Kontrolle durch die Gremien diskutiert.

Der Intendant des Saarländischen Rundfunks, Thomas Kleist, forderte angesichts dieser besonderen gesellschaftlichen Verantwortung von der Politik, „deutlicher als bisher eine Lanze für das öffentlich-rechtliche System zu brechen – denn wer sonst hält die auseinander driftende Gesellschaft zusammen?“ Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow bezeichnete sich als „großen Verfechter“ des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Dieser müsse eine Antwort auf und „eine Alternative zu den Algorithmen von Konzernen wie Google und Facebook bieten. Allerdings falle es vielen Landtagsabgeordneten zunehmend „schwer, die Hand dafür hochzuheben“. ARD, ZDF und Deutschlandradio müssten sich stärker um ihre Akzeptanz in der Bevölkerung bemühen.

Hierbei komme den Gremien der Anstalten eine entscheidende Bedeutung zu, so der Leiters des Hans-Bredow-Instituts, Wolfgang Schulz. „Die Gremien sind hier stark gefordert“, daher sollten sie in ihrer Arbeit mehr Unterstützung und Qualifizierung erfahren, so Schulz.

Die Vorsitzende des Verwaltungsrats des Bayerischen Rundfunks, Barbara Stamm, regte die Bildung eines Sachverständigenbeirats für die ARD-Gremienvertreter und langfristigere Planungszeiträume an. In Zeiten des gesellschaftlichen Wandels, der die Anstalten vor große Herausforderungen stelle, brauche es eher einen 10-Jahres-Zeitraum. Stamm wünschte sich, die Arbeitsbedingungen der Gremienvertreter so zu gestalten, „dass man nachts ruhig schlafen kann, weil man seine verantwortungsvolle Aufgabe mit der nötigen Sorgfalt und dem nötigen Sachverstand versehen kann“.

Einigkeit bestand bei allen Diskutanten der von Nathalie Wappler, Vorsitzende der ARD-Hörfunkkommission und MDR-Programmdirektion Halle moderierten Runde, dass der öffentlich rechtliche Rundfunk zuvörderst durch seine Angebote überzeugen müsse: „Er muss das Qualitätsvorbild in einer modernen Mediengesellschaft sein“, so Wolfgang Schulz“, an dem sich alle anderen Angebote messen lassen müssen“.

Video: phoenix vor Ort, Podiumsdiskussion zum Thema „Wem gehört der Rundfunk?“ am 05.05.17, phoenix-YouTube-Kanal

Der Autor

Knut Kuckel

Journalist (Radiojournalismus). Berufliche Stationen: Belgischer Rundfunk (BRF), Südwestrundfunk, SWR, Hessischer Rundfunk (hr).
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