scoopcamp 2017 – Vertrauen schaffen, Kompetenz bewahren, Neues wagen

Scoopcamp-Moderatorin Eva Schulz, Foto: Laura Müller
Scoopcamp-Moderatorin Eva Schulz, Foto: Laura Müller

Beim scoopcamp 2017 wurde der Blick nach vorne gerichtet und über die Chancen neuer Formate und digitaler Innovationen in der Glaubwürdigkeitskrise gesprochen. In Zeiten von Fake News und alternativen Fakten ging es beim scoopcamp 2017 insbesondere um die Frage, wie digitales Storytelling und neue journalistische Formate dabei helfen können, das Vertrauen von Lesern und Zuschauern zurückzugewinnen. 

Immer mehr Diversität bei der Contentgestaltung und -distribution, eine stetig steigende Anzahl von News-Urhebern und Phänomene wie Bot-Manipulation stellen modernen Journalismus vor immer neue Herausforderungen. Über 250 Medienmacher, Redakteure und IT-Experten waren gestern im Hamburger Theater Kehrwieder zusammengekommen, um gemeinsam in Vorträgen, Talkrunden und Workshops über die aktuellen Herausforderungen und die nächsten Innovationen der Medienlandschaft zu diskutieren.

Keynote-Speaker waren die Vordenker Vasily Gatov (University of Southern California), Orit Kopel (WikiTribune) und Jigar Mehta (Fusion Media), der für seine Leistungen in der Video-Formatentwicklung mit den scoop Award ausgezeichnet wurde. Zusätzlich war Osagie Alonge, Managing Director bei Pulse Nigeria, via Skype zugeschaltet, um vom Aufbau eines digitalen Verlags in Afrika zu berichten.

Trat beim scoopcamp 2017 in Hamburg auf: Medienforscher Vasily Gatov, der sich dem Thema "Fake News" annahm. obs/dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH/scoopcamp 2017 - Laura Müller
Trat beim scoopcamp 2017 in Hamburg auf: Medienforscher Vasily Gatov, der sich dem Thema „Fake News“ annahm. obs/dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH/scoopcamp 2017 – Laura Müller

Vasily Gatov, Medienforscher aus den USA, sprach über die Ursachen für die rasante Verbreitung von Fake News. Seine These: Menschen sind anfällig für Lügen, da sie ständig nach Problemen suchen und so leichter geneigt sind, Falschmeldungen als wahr zu akzeptieren. Soziale Netzwerke und Smartphones seien dafür, laut Gatov, ein perfekter Katalysator.

scoopcamp-Sprecherin Orit Kopel will – gemeinsam mit Wikipedia-Gründer Jimmy Wales – das Gegenmittel bieten: WikiTribune. Ganz im Wikipedia-Stil bietet die Nachrichtenplattform, die in diesem Oktober an den Start gehen soll, durch die Offenlegung von Interview-Transkripten und Quellenmaterial, Lesern die Möglichkeit, Fakten selbst zu überprüfen und die Artikel entsprechend zu editieren. Anders als beim gescheiterten Projekt WikiNews sind bei WikiTribune hauptberufliche Journalisten involviert und sorgen so für die nötige Qualität der Beiträge.

Wer qualitativ hochwertigen Content produzierten will, wer neue Formate entwickeln und Innovationen auf den Markt bringen will, muss auf dem Weg dahin auch mal Fehler machen dürfen. Diesen Standpunkt vertrat scoop Award-Gewinner Jigar Mehta in seiner Keynote. Der Format-Entwickler und Digitalstratege fordert von seinen Mitarbeitern, sich auszuprobieren und vor allem auch zu scheitern. Identifizieren, was dem Nutzer gefällt und ihm dann personalisiert ein abwechslungsreiches Angebot an Informationen attraktiv aufbereiten und die Betroffenen selbst zu Wort kommen lassen – das ist das Erfolgsrezept von Fusion Media. „Jigar Mehta hat wiederholt seine Passion für Medien, seine hohe Kompetenz für digitale Technologie und seinen Unternehmergeist unter Beweis gestellt. Darum zeichnen wir ihn mit dem scoop Award aus“, sagte Meinolf Ellers, Chief Digital Officer der dpa Deutschen Presse-Agentur GmbH in seiner Laudatio.

Der aus Nigeria via Skype zugeschaltete Osagie Alonge (Managing Director, Pulse Nigeria) appellierte an die Medienschaffenden beim scoopcamp 2017, wieder näher an die Leser zu rücken, ihnen zuzuhören und ihre Geschichten zu erzählen. Im Live-Interview mit Moderatorin Eva Schulz berichtete er über den Aufbau eines Medienunternehmens in Afrika. Die digitale Transformation sei in Nigeria deutlich zügiger verlaufen als in Deutschland. Der Grund hierfür ist relativ simpel: Print-Medien sind hierzulande tief verankert und haben eine lange Tradition, in Nigeria ließ sich diese Evolutionsstufe einfach überspringen.

In der Abschluss-Diskussion mit Dr. Kai Gniffke (Erster Chefredakteur ARD-aktuell), Peter Kropsch (Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Presse-Agentur dpa), Niddal Salah-Eldin (Head of Social Media WELT) und Daniel Bröckerhoff (Moderator ZDF heute plus) ging es abschließend wieder um die Themen Glaubwürdig, Fake News und Hatespeech. „Wir müssen aufhören einer alten Zeit hinterherzujammern und weitermachen“, appellierte Niddal Salah-Eldin an die Journalisten, sich von der Krise nicht vereinnahmen zu lassen. Markenbindung und Loyalität seien für Medien die Zukunft, nicht „der schnelle Klick“. Mit einem „Radar Officer“ und einen „Verification Officer“ reagierte die dpa auch personell auf das Thema Fake News, wie Peter Kropsch im Rahmen der Diskussion erklärte: „Die Menge der zweifelhaften Informationen zwingt uns, die Strukturen für Verifikation zu schaffen.“ Dr. Kai Gniffke fügte hinzu, dass gerade in der Glaubwürdigkeitskrise dieser Zeit auch eine Chance für seriöse und vertrauenswürdige Medienmarken liege.

Spannende Einblicke vom scoopcamp 2017 gibt es in unserem Buzz Rank sowie auf YouTube.

Fotos: Laura Mueller/scoopcamp

Zum Vormerken:

Das nächste scoopcamp findet am 27. September 2018 in Hamburg statt.

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