PRIX EUROPA vergibt 14 europäische Medienpreise – Can Dündar ist Europäischer Journalist des Jahres

PRIX EUROPA vergibt 14 europäische Medienpreise - Foto: obs/PRIX EUROPA/Christian Schulz / PRIX EUROPA
PRIX EUROPA vergibt 14 europäische Medienpreise - Foto: obs/PRIX EUROPA/Christian Schulz / PRIX EUROPA

Der türkische Journalist und ehemalige Cumhuriyet-Chefredakteur Can Dündar wurde heute Abend im Rahmen einer festlichen Gala im Großen Sendesaal des rbb mit dem Outstanding Achievement Award des PRIX EUROPA zum Europäischen Journalist des Jahres gekürt. 

Seine Rede, mit der er den Preis entgegennahm, widmete er allen Kolleginnen und Kollegen, die in der Türkei im Gefängnis sitzen. „Unser Kampf geht weiter, bis wir alle – und unser Land – frei sind!“, so Dündar. Übergeben wurde die Auszeichnung in Form einer bronzenen Stiertrophäe von Cilla Benkö, Präsidentin des PRIX EUROPA und Intendantin von Sveriges Radio. Benkö unterstrich, der PRIX EUROPA wolle mit der Preisvergabe diesen Kampf unterstützen und würdigen.

Can Dündar ist Europäischer Journalist des Jahres. Foto: obs/PRIX EUROPA/Christian Schulz
Can Dündar ist Europäischer Journalist des Jahres. Foto: obs/PRIX EUROPA/Christian Schulz

Can Dündar lebt seit 2016 im Exil in Deutschland, nachdem er drei Monate in der Türkei in Haft saß. Er war wegen Spionage angeklagt worden, in Folge eines Berichts seiner damaligen Zeitung über eine Waffenlieferung des türkischen Geheimdienstes an islamistische Milizen in Syrien. Dündar publiziert weiterhin über sein Heimatland. Die Türkei möchte ihn nun von Interpol in Deutschland suchen lassen. Für den Preis wurde er unter 31 Journalisten ausgewählt, die für die Auszeichnung nominiert waren. Der PRIX EUROPA hatte dazu aufgerufen, Personen für den Preis vorzuschlagen, die sich mit außerordentlichem Mut und Kreativität für die Glaubwürdigkeit und die Unentbehrlichkeit des Journalismus einsetzen.

Neben Can Dündar durften 13 weitere glückliche Gewinner aus sieben Ländern die Bühne betreten. Darunter auch ein Sieger aus Deutschland: Christian Lerch wurde für sein Radiofeature „Papa wir sind in Syrien“ geehrt. Es erzählt die Geschichte eines Vaters, der versucht seine beide Söhne, die sich dem Islamischen Staat in Syrien angeschlossen haben, zur Heimkehr zu bewegen. Das Tonmaterial besteht zum Teil aus Original-Sprachnachrichten, die sich Vater und Söhne über den Nachrichtendienst WhatsApp schicken.

In „Alone Against The Islamic State“ aus Schweden geht es um eine ähnliche Situation. Die Fernsehdokumentation wurde als bestes Programm zur kulturellen Vielfalt prämiert und begleitet ein Elternpaar in den Irak beim Versuch, die eigene Tochter aus den Händen der Islamisten zu befreien. Über die Auszeichnung als beste Fernsehinvestigation dürfen sich die Franzosen freuen: In „Church: Code of Silence“ legen die Journalisten an den Tag wie die katholische Kirche pädophile Priester durch die Versetzung über Kontinente hinweg vor Strafverfolgung schützt. Auch Papst Franziskus wird hier angeklagt. Weniger ernst geht es in der ungarischen Komödie zu, die als bestes Fernsehdrama ausgezeichnet wurde. In „Memo“ behandelt ein Psychiater gleichzeitig einen Patienten mit einem Supergedächtnis und seinen eigenen Vater, der an Gedächtnisschwund leidet. Beste Fernsehserie des Jahres darf sich die belgische Produktion „Team Chocolate“ nennen. Sie spielt in einer Schokoladenfabrik, in der Menschen mit geistiger Behinderung arbeiten. Als eine Mitarbeiterin in den Kosovo ausgewiesen werden soll, geht der Rest des Teams auf die Barrikaden. Auch der beste Dokumentarfilm kommt aus Belgien. In „Food for Thought“ wird das Zusammenleben von vier Brüdern auf einem Bauernhof gefilmt, beim Kochen und bei den Mahlzeiten. Trotz ihrer zurückgezogenen und strengen Lebensweise legen sie große Lebens- und Welterfahrung an den Tag und überraschen mit ganz neuen und auch ganz alten Weisheiten.

In der Online-Kategorie des PRIX EUROPA konnte Dänemark punkten: An dem Webformat „The Class“ für 7 bis 12-jährige haben bisher schon 6000 Kinder und Jugendliche mitgewirkt. Zwei mal täglich werden Vlogs veröffentlicht, die gekonnt die Grenzen zwischen Fiktion, Dokumentation und Telerealität verwischen. Der von der Online-Gemeinde des PRIX EUROPA per Internetabstimmung vergebene Community Award ging an „If I ever come back: A French schoolgirl’s letters from the Holocaust“. Die französische Webdokumentation beschäftigt sich mit dem Briefwechsel einer im Zweiten Weltkrieg deportierten jüdischen Schülerin und ihrer ehemaligen Lehrerin. Im Hörspiel hatte wieder Belgien die Nase vorn: In „Almanak“ hat der Hörspielmacher Wederik De Backer aus den wahren Geschichten der Bewohner eines Arbeiterviertels in Gent ein stimmungsvolles Kiezporträt erschaffen. Der Preis für die beste Hörspielserie ging ins Nachbarland Frankreich: In „The Prehistory of the Future“ haben Außerirdische die Weltherrschaft übernommen. Dennoch kommen unterhaltsame Anspielungen auf die aktuelle französische Politik nicht zu kurz. Die beste Radioinvestigation dagegen setzt sich mit puren Fakten auseinander: In „The KGB Agent and the Oil Smugglers“ decken schwedische Journalisten Ölschmuggel von Weißrussland in die Schweiz auf. Sie weisen nach, dass eine schwedische Ölfirma wissend die geschmuggelte Ware kaufte. Bestes Musikprogramm wurde die dänische Sendung „Songwriter“, in der mit wechselnden Studiogästen in je zwei Stunden ein neuer Song produziert wird. In der prämierten Ausgabe war die Musikerin Oh Land zu Gast, die mit richtigem Namen Nanna Øland Fabricius heißt. Die Jury der Kategorie Digital Audio wählte mit „The Archers: The Trial of Helen Titchener“ einen britischen Podcast mit dazugehöriger Social-Media-Kampagne zum Gewinner.

Moderiert wurde die Preisverleihung von Radioeins-Filmexperte Knut Elstermann. Die Veranstaltung wurde live auf der rbb Homepage übertragen und steht dort als Video-on-Demand weiterhin zur Verfügung. Auf der Homepage des PRIX EUROPA sind Ausschnitte aller Gewinner zu sehen.

Fotos: Die Preisträger, PRIX EUROPA 2017/Christian Schulz


Weblinks:

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Redaktion MediaNews.Blog

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